Ein junger Prinz reitet durch die Welt und betrachtet Prinzessinnen vor ihren Schlössern Eine durchnässte Prinzessin steht im Regen vor dem Stadttor, und der alte König öffnet ihr Die Prinzessin sitzt oben auf einem hohen Stapel aus Matratzen und Daunendecken und findet keine bequeme Lage

Die Prinzessin auf der Erbse

Der Prinz sucht eine Prinzessin · gelesen von Marie
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Ein Prinz sucht eine richtige Prinzessin, als an einem stürmischen Abend ein völlig durchnässtes Mädchen an das Tor klopft. Ein kurzes, verschmitztes Märchen von Andersen, übersetzt aus dem dänischen Original.

Hans Christian Andersen · 3 Min. · gelesen von Marie

Die Prinzessin auf der Erbse: der Text zum Lesen und Vorlesen

Hans Christian Andersen (1835). Aus dem dänischen Original „Prindsessen paa Ærten“ übersetzt.

Es war einmal ein Prinz, der wünschte sich eine Prinzessin, aber es sollte eine richtige Prinzessin sein. Da reiste er durch die ganze Welt, um eine solche zu finden, aber überall gab es einen Haken. Prinzessinnen gab es genug, aber ob es richtige Prinzessinnen waren, konnte er nie so ganz herausfinden. Immer war da etwas, das nicht so ganz richtig war. So kam er wieder nach Hause und war sehr traurig, denn er hätte so gern eine wirkliche Prinzessin gehabt.

Eines Abends kam ein schreckliches Unwetter. Es blitzte und donnerte, der Regen strömte nur so herab, es war ganz entsetzlich! Da klopfte es an das Stadttor, und der alte König ging hin, um aufzumachen. Draußen stand eine Prinzessin. Aber du meine Güte, wie sah sie aus von dem Regen und dem bösen Wetter! Das Wasser lief ihr aus den Haaren und an den Kleidern herunter, es lief vorn in die Schuhspitzen hinein und an den Fersen wieder heraus, und dabei sagte sie, sie sei eine wirkliche Prinzessin.

„Na, das werden wir schon herausfinden!“, dachte die alte Königin, aber sie sagte nichts. Sie ging ins Schlafzimmer, nahm das ganze Bettzeug ab und legte eine Erbse auf den Boden des Bettes. Dann nahm sie zwanzig Matratzen, legte sie auf die Erbse und auf die Matratzen noch zwanzig Decken aus den weichsten Daunen. Darauf sollte die Prinzessin nun die Nacht über liegen.

Am Morgen fragte man sie, wie sie geschlafen habe. „Oh, entsetzlich schlecht!“, sagte die Prinzessin. „Ich habe fast die ganze Nacht kein Auge zugetan! Weiß der Himmel, was in dem Bett war. Ich habe auf etwas Hartem gelegen, sodass ich am ganzen Körper grün und blau bin! Es ist ganz entsetzlich!“

Da konnten sie sehen, dass sie eine richtige Prinzessin war, denn sie hatte durch die zwanzig Matratzen und die zwanzig Daunendecken hindurch die Erbse gespürt. So empfindlich konnte niemand sein außer einer wirklichen Prinzessin. Da nahm der Prinz sie zur Frau, denn nun wusste er, dass er eine richtige Prinzessin hatte. Die Erbse aber kam in die Kunstkammer, wo man sie heute noch sehen kann, wenn niemand sie weggenommen hat. Siehst du, das war eine richtige Geschichte!