Der bärenstarke Krpan aus Vrh hebt im Schnee seine kleine Stute dem Kaiser aus dem Weg, und bald darauf ruft ihn der Kaiser nach Wien, wo der Riese Brdavs wütet. Der erste Teil der berühmtesten slowenischen Erzählung von Fran Levstik, aus dem slowenischen Original übersetzt.
Fran Levstik · 22 Min. · gelesen von Marie
Martin Krpan, erster Teil: der Text zum Lesen und Vorlesen
Fran Levstik (1858). Aus dem slowenischen Original „Martin Krpan z Vrha“ übersetzt.
Der Močilar hat mir manchmal von früheren Zeiten erzählt, wie die Leute lebten und wie sie es mit diesem und jenem untereinander hielten. Einmal an einem Sonntagnachmittag erzählte er mir auf der Bank im Schatten der Linde die folgende Geschichte:
In Innerkrain liegt ein Dorf, das heißt Vrh. In diesem Dörfchen lebte in alten Zeiten Krpan, ein starker und gewaltiger Mann. Er soll so groß gewesen sein, dass man so leicht keinen zweiten wie ihn findet. Aus der Arbeit machte er sich nicht viel; vielmehr brachte er auf seiner kleinen Stute englisches Salz vom Meer herauf, was aber schon damals streng verboten war. Die Grenzwächter lauerten ihm auf, um ihn irgendwo unversehens zu erwischen; einen ehrlichen Kampf mit ihm fürchteten sie genauso wie später den Štempihar. Krpan aber wich ihnen immer aus und gab acht, dass sie ihm nichts anhaben konnten.
Es war Winter, und ringsum lag Schnee. Von Dorf zu Dorf führte nur ein schmaler, festgetretener Pfad, gerade breit genug für die Leute, denn damals gab es noch nicht so viele Straßen wie heutzutage. In unseren Zeiten ist das natürlich ganz anders; wir haben ja, Gott sei Dank, eine Straße bis zu jedem Kohlfeld. Krpan brachte also auf seiner kleinen Stute ein paar Zentner Salz über den schmalen Pfad, da kommt ihm klingelnd ein schöner Wagen entgegen, und in dem Wagen saß Kaiser Janez, der gerade nach Triest fuhr.
Krpan war ein einfacher Bauersmann, darum kannte er ihn auch nicht; es war ja auch keine Zeit, sich lange umzuschauen. Nicht einmal den Hut konnte er mehr ziehen; schnell packte er die kleine Stute samt der Last und trug sie zur Seite, damit der Wagen sie nicht umwarf. Meint ihr etwa, das hätte Krpan lange aufgehalten? Für ihn war das, als würde ein anderer einen Stuhl verrücken.
Als der Kaiser das sieht, befiehlt er dem Kutscher, die Pferde anzuhalten. Sobald das geschehen ist, fragt er den gewaltigen Mann: „Wer bist denn du?“ Der gibt ihm zur Antwort: „Krpan nennen sie mich, und daheim bin ich in Vrh bei Sveta Trojica, zwei Stunden zu Fuß von hier.“ „Und was hast du denn da geladen?“, fragt der Kaiser weiter. Krpan denkt sich schnell etwas aus und sagt: „Na, was schon? Zunderschwamm und ein paar Wetzsteine hab ich aufgeladen, Herr!“
Darüber wundert sich der Kaiser und sagt: „Wenn es Wetzsteine sind, warum stecken sie dann in Säcken?“ Krpan besinnt sich nicht lange, sondern antwortet flink, wie jeder Mensch, der weiß, was er sagt: „Ich fürchte, sie könnten mir in der Kälte zerspringen; darum habe ich sie in Stroh gewickelt und in den Sack gesteckt.“
Der Kaiser, dem der gewaltige Kerl wohl gefiel, sagt weiter: „Du weißt aber, wie man mit solchen Dingen umgeht. Und wie kommt es, dass du dein Pferdchen so leicht zur Seite stellen konntest? Viel Fleisch hat es ja wirklich nicht, aber Knochen hat es doch wenigstens.“ Krpan grinst ein wenig und sagt: „Ich weiß, dass Eure Pferde mehr Fleisch haben; und doch gebe ich meine kleine Stute nicht für alle vier her, die hier angespannt sind. Was aber das Hinübertragen angeht, Herr, so traue ich mich, zwei solche Stuten zwei Stunden weit zu tragen und auch noch weiter, wenn es sein muss.“ Der Kaiser denkt sich: „Das sollte man sich merken“, und lässt weiterfahren.
Danach verging ein Jahr und noch so mancher Tag. Krpan aber zog weiter mit seinen Lasten über Berg und Tal. Da begibt es sich, dass ein schrecklicher Riese nach Wien kommt, Brdavs mit Namen. Der forderte, wie einst der Pegam, alle Helden unseres Kaiserreichs zum Kampf heraus. Nun hatte der Kaiser auch keine so furchtsamen Leute, dass man hätte sagen können, keiner habe sich an ihn herangewagt; doch wer sich mit ihm maß, der wurde gewiss besiegt. Der Riese aber war kein Mann mit barmherzigem Herzen, sondern er brachte jeden um, den er bezwungen hatte.
Das ging dem Kaiser allmählich im Kopf herum: „Ach, du meine Güte! Was soll nur werden, was soll nur werden, wenn der Brdavs nicht gebändigt wird? Er hat mir schon all meine vornehmsten Herren getötet! Verflixt noch mal, dass ihm keiner gewachsen ist!“ So jammerte der Kaiser, und der Kutscher hörte ihn. Da tritt er mit großer Demut heran, wie es sich vor einem so hohen Herrn gehört, und sagt: „Eure Kaiserlichkeit, könnt Ihr Euch nicht mehr erinnern, was vorletzten Winter bei Triest geschah?“
Der Kaiser fragt ein wenig unwillig: „Was denn?“ Der Kutscher antwortet: „Dieser Krpan, der mit Zunderschwamm und Wetzsteinen unterwegs war, wisst Ihr nicht mehr, wie er seine kleine Stute in den Schnee hinübergestellt hat, als trüge er eine Schüssel zum Tisch? Wenn Krpan den Brdavs nicht bezwingt, dann schafft es auch kein anderer, das sage ich Euch.“ „Ja, richtig“, sagt der Kaiser, „sofort muss man nach ihm schicken.“
Man schickte eine große, schöne Kutsche nach Krpan. Der hatte gerade vor seiner Hütte ein wenig Salz aufgeladen, und die Grenzwächter hatten ganz genau herausgefunden, dass er wieder zu seinem Handel aufbrechen wollte. Sie kamen also über ihn und fielen ihn an; fünfzehn waren es. Er aber erschrak nicht vor ihnen; er schaute grimmig drein, packte den ersten und drosch mit ihm die anderen, bis sie alle die Schuhsohlen zum Himmel zeigten. Gerade als das geschah, kam eine neue, schöne Kutsche mit vier Pferden angefahren. Heraus stieg ein kaiserlicher Bote, der alles gesehen hatte, was geschehen war, und sagte schnell: „Jetzt weiß ich, dass ich richtig geraten habe. Du bist Krpan aus Vrh bei Sveta Trojica, nicht wahr?“
„Krpan bin ich“, sagt der, „aus Vrh auch, von Sveta Trojica auch. Aber was wollt Ihr denn von mir? Wenn Ihr wegen des Salzes etwas im Sinn habt, rate ich Euch, Ruhe zu geben; fünfzehn waren es, und ich habe mich nicht vor ihnen gefürchtet, Gott sei Dank, da werde ich mich vor einem Einzigen auch nicht fürchten.“ Der Bote aber, der gewiss nicht wusste, warum er vom Salz redet, sagt darauf: „Sperr nur schnell die Stute in den Stall und zieh dir rasch dein Sonntagsgewand an, wir beide fahren nach Wien zum Kaiser.“
Krpan schaut ihn ungläubig an und antwortet: „Wer nach Wien hinein will gehen, lässt den Bauch vorm Tore stehen, das habe ich von alten Leuten gehört; ich aber gedenke ihn mitzunehmen, wohin ich auch meine Lasten trage und solange ich sie trage.“ Der Diener sagt zu ihm: „Glaub ja nicht, dass ich Späße mache.“ „Das wäre auch nicht gesund“, sagt Krpan.
Darauf spricht der Bote wieder: „Was ich dir gesagt habe, ist alles wahr. Weißt du nicht mehr, wie du vorletzten Winter deine kleine Stute der Kutsche aus dem Weg geräumt hast? Der Herr in dem Wagen war der Kaiser und niemand anders, weißt du.“ Krpan wundert sich und sagt: „Der Kaiser? Doch wohl nicht etwa?“
„Der Kaiser, der Kaiser! Hör nur zu. Jetzt ist ein böser Riese nach Wien gekommen, den wir Brdavs nennen. Der ist so, dass niemand ihm Angst machen kann. Viele Krieger und Herren hat er schon erschlagen; da haben wir gesagt: Wenn ihn keine Menschenseele bezwingt, dann bezwingt ihn Krpan. Sieh, du bist die letzte Hoffnung des Kaisers und der Stadt Wien.“
Das tat Krpan gewaltig wohl, und alles, was er hörte, gefiel ihm sehr gut, und so sagt er: „Wenn es weiter nichts ist als dieser verflixte Brdavs, dann hört, was ich Euch sage! Fünfzehn Brdavse zum zweiten Frühstück, das ist für mich nicht mehr, als für Euch einen Stein über eine Pfütze zu schubsen, über die ein Kind von sieben Jahren springt; hütet Euch nur, mich an der Nase herumzuführen!“ Das sagt er, nimmt schnell das Salz von der Stute, bringt die Stute in den Stall, geht in die Hütte und zieht sein Sonntagsgewand an, damit er sich vor dem Kaiser nicht schämen muss. Als er auch die Schuhe gewechselt hat, kommt er herausgelaufen, setzt sich in die Kutsche, und schnell rollen die beiden nach Wien.
Als die beiden nach Wien kamen, war die ganze Stadt schwarz verhängt, und die Leute schlichen trübselig umher wie Ameisen, wenn ihr Ameisenhaufen brennt. Krpan fragt: „Was ist denn mit euch, dass alles trauert?“ „Oh, Brdavs, Brdavs!“, rufen Groß und Klein, Männer und Frauen. „Gerade heute hat er den Sohn des Kaisers umgebracht. Dem brannte die Schande tief im Herzen, dass die Krone keinen Helden haben sollte, der sich nicht vor dem Riesen fürchtet. Er ging hin, um sich mit ihm zu messen, aber was hilft es! Wie den anderen, so erging es auch ihm. Bis jetzt ist noch keiner aus dem Kampf zurückgekommen.“
Krpan ließ schnell weiterfahren, und so kamen sie an den Kaiserhof, der gewaltig groß und sehr schön sein soll. Dort steht immer eine Wache am Tor, Tag und Nacht, Sommer und Winter, mag es auch noch so kalt sein. Sogleich rief sie Krpans Ankunft aus, wie sie es gewohnt war, wenn jemand aus der kaiserlichen Familie angefahren kam. Es war nämlich schon vierzehn Tage lang, Tag für Tag, befohlen, dass sie für niemanden und niemals rufen solle, nur dann, wenn ein ganz bestimmter Mann angefahren käme. So sehr freute man sich in Wien auf Krpan. Und warum auch nicht? Es brannte ihnen ja verflixt unter den Nägeln!
Als der Kaiser das Rufen hört, weiß er sofort, wer es ist, läuft ihm entgegen und führt ihn hinauf in die oberen Säle. Wunderschön ist es dort, noch schöner als in der Kirche. Krpan sperrte nur Mund und Augen auf, so gewaltig kam ihm alles vor. Der Kaiser fragt ihn: „Krpan aus Vrh! Kennst du mich noch?“ „Wie sollte ich Euch nicht kennen“, antwortet er, „es ist ja nicht länger als zwei Jahre her, dass wir uns gesehen haben. Na, Ihr seid noch immer schön gesund, wie man an Eurem Gesicht sieht.“
Der Kaiser sagt: „Was hilft die liebe Gesundheit, wenn alles andere verkehrt läuft! Du hast doch sicher schon von dem Riesen gehört? Was meinst du, was daraus werden soll, wenn sich nicht irgendwie etwas ändert? Meinen Sohn hat er mir erschlagen, sieh nur!“ Krpan antwortet: „Was soll schon anderes werden? Den Kopf nehmen wir ihm, und fertig!“ Der Kaiser erwidert traurig: „Das glaube ich gern, wenn wir es nur könnten! Ach, ich glaube, es gibt keinen Helden unter der Sonne, der dem Brdavs den Kopf nehmen könnte!“
„Warum denn nicht? Ich habe gehört“, sagt Krpan, „dass alle Leute alles wissen und dass man auf der ganzen Welt alles bekommt; da sollte sich nicht auch ein Held gegen den Brdavs finden? Ich bin zwar ein armer Mann, aber ich werde ihn so höllisch verdreschen, dass ihm die bösen Gelüste, in Wien herumzuwüten, nie wieder kommen, so Gott will!“
Nichts hätte den Kaiser mehr freuen können als diese Worte! Nur eines machte ihm noch Sorgen; darum sagt er auch: „Dass du stark bist, davon hast du mich überzeugt; aber bedenke: Er ist seit seiner Jugend an Waffen gewöhnt, du aber hast bisher nur Wetzsteine und Zunderschwamm durch Krain getragen. Lanze und Schwert hast du wohl noch nirgends gesehen als auf dem Kreuzweg in der Kirche. Wie willst du es denn mit ihm aufnehmen?“ „Habt nur keine Angst“, sagt Krpan, „wie ich es mit ihm mache und womit, das ist meine Sorge. Ich fürchte weder Schwert noch Lanze noch die anderen Waffen des Riesen, von denen ich nicht einmal alle Namen kenne, mag er auch noch so viele an sich tragen.“
All das gefiel dem Kaiser, und gleich lässt er einen kleinen Krug Wein bringen, dazu Brot und Käse, und sagt: „Da, Krpan, trink und iss! Danach gehen wir Waffen aussuchen.“ Das kam Krpan herzlich wenig vor, ein kleiner Krug Wein für so einen Helden! Und doch schwieg er, was ein ganz großes Wunder ist. Was hätte er auch tun sollen? Er hatte wohl schon gehört, dass die feinen Herrschaften alle nur wenig essen, weil jeder isst, wann er will und so viel er will, und lauter gute Speisen. Aber bei einem Bauersmann wie Krpan sieht die Sache anders aus.
Er verputzt also alles im Handumdrehen und steht rasch auf. Der Kaiser hatte alles gesehen, und weil er ein kluger Mann war, merkte er auch gleich, dass man einem solchen Leib größere Portionen zumessen muss; darum gab man ihm von dieser Zeit an Tag für Tag, solange er in Wien war: zwei Schinken, zwei Viertel vom Lamm, drei gemästete Hähne und, weil er das Weiche nicht aß, die Krusten von vier weißen Broten, mit Butter und Eiern gebacken; Wein aber stand ihm zu, so viel er nur trinken konnte.
Als die beiden in die Rüstkammer kommen, das ist die Kammer, in der man die Waffen aufbewahrt, nämlich Säbel, Schwerter, stählerne Brustpanzer, Helme und wie das alles heißt, sucht Krpan und sucht, aber was er auch anfasst, alles zerbricht ihm in den Händen, weil er so ein gewaltiger Mann war. Dem Kaiser läuft es fast kalt über den Rücken, als er das sieht; doch er nimmt sich ein Herz und fragt: „Na, wirst du bald etwas ausgesucht haben?“ „Woraus soll ich denn aussuchen?“, antwortet Krpan. „Das ist doch lauter Spielzeug; das ist nichts für einen Riesen, der Brdavs heißt, und auch nichts für mich, den Ihr Krpan nennt. Wo habt Ihr etwas Besseres?“
Der Kaiser wundert sich und sagt: „Wenn das nichts für dich ist, weiß ich selbst nicht, was wir tun sollen. Etwas Größeres und Besseres haben wir nicht.“ Darauf sagt Krpan: „Wisst Ihr was? Zeigt mir, wo hier eine Schmiede ist!“
Der Kaiser selbst führt ihn schnell in die Schmiede, die auch am Hof war; denn solche Herren haben alles, was man braucht, und auch eine Schmiede, damit Hammer und Amboss zur Hand sind, wenn ein Pferd ein Hufeisen verliert oder wenn sonst etwas zu unterlegen oder umzuschmieden ist. Krpan nimmt ein Stück Eisen und den schwersten Hammer, den der Schmied immer mit beiden Händen schwang; ihm aber sang der Hammer in einer Hand, als würde er bloß eine Sense dengeln. „Ei, so ein Teufelskerl!“, sagen alle, als sie das sehen; sogar der Kaiser fand es großartig, so einen Kraftprotz im Haus zu haben. Krpan schmiedet und schmiedet, zieht den Blasebalg aus Leibeskräften und macht ein großes Ding, das keiner Waffe ähnlich war; am ehesten glich es einem Fleischerbeil.
Als er damit fertig ist, geht er in den kaiserlichen Garten und haut die junge, dicht belaubte Linde über dem Steintisch um, wo die Herrschaften im Sommer Kühlung suchten. Der Kaiser, der ihm immer auf den Fersen war, kommt schnell herbeigelaufen und ruft: „Krpan! Was machst du denn da? Dass dich doch der Kuckuck hole! Weißt du nicht, dass die Kaiserin lieber alle Pferde aus dem Stall hergäbe als diese Linde über dem Tisch? Und du hast sie umgehauen! Was soll denn jetzt werden?“ Krpan aus Vrh aber antwortet, ohne sich zu fürchten: „Was geschehen ist, ist geschehen. Warum habt Ihr mir denn keine andere gezeigt, wenn Euch diese so leidtut? Was soll schon werden? Baum ist Baum! Ich aber muss Holz haben, eigens für meinen Gebrauch, so wie ich es im Kampf brauche.“
Der Kaiser schweigt, weil er sieht, dass es nichts nützt, die Glocken zu läuten, wenn der Hagel schon alles zerschlagen hat; und doch machte er sich Sorgen, wie er sich vor der Kaiserin herausreden sollte. Krpan macht also zuerst einen Stiel für das Beil, dann schnitzt er eine Keule zurecht, fast einen Meter lang und an einem Ende sehr dick, und tritt damit vor den Kaiser: „Eine Waffe habe ich, aber kein Pferd. Der Riese und ich werden uns doch wohl nicht zu Fuß in die Haare kriegen?“
Der Kaiser, wegen der Linde noch immer ein wenig verstimmt, sagt: „Geh nur und nimm dir ein Pferd, welches du willst. Ich weiß ja doch, dass du den Mund nur recht voll nimmst. Wann werde ich Papst in Rom? Dann, wenn du den Riesen bezwingst. Wenn du meinst, dann pack ihn und schneid ihm den Kopf ab, wenn du etwas taugst, damit mein Reich vor ihm Ruhe hat und du dafür große Ehre und großen Ruhm erntest!“
Krpan war ein wenig zornig, doch er schluckt seinen Ärger hinunter und sagt: „Was den Brdavs angeht, das ist kein Kinderspiel, so wie wenn einer einen Spatzen aus dem Busch scheucht, der sich vor jedem Holzspan und jedem Stein fürchtet. Wie viele Helden habt Ihr denn, die sich an ihn heranwagen würden? Merkt Euch, Eure Kaiserlichkeit: Was ich versprochen habe, das werde ich tun, auch wenn alle Lästermäuler, die mich bei Euch anschwärzen, vor Wut platzen. Wenn nur alle Menschen immer so zu ihrem Wort stünden, wie ich es vorhabe, so wahr mir Gott helfe, dann wüsste niemand auf Erden, was eine Lüge ist! Aber die Welt ist böse und denkt nicht daran, dass Gott groß ist und der Mensch klein. Jetzt aber geht nur, gehen wir ein Pferd aussuchen. Ich will keines, das unter meinem Gewicht vor dem Riesen auf alle vier Beine zusammensackt, Euch zur Schande und mir zum Ärger. Die Wiener würden lachen, und Ihr würdet sagen: Seht ihn euch an, jetzt hat er mir auch noch das Pferd verdorben!“
Der Kaiser stand ganz verdutzt da, als er die Weisheit aus Martins Mund hörte, und dann ging er mit ihm. Als sie in den Pferdestall kamen, fragte er: „Woran willst du denn erkennen, ob ein Pferd gut ist oder nicht?“ Krpan antwortete: „Daran, dass es sich von mir nicht am Schwanz über die Schwelle ziehen lässt.“ Der Kaiser sagte: „Versuch es nur! Obwohl du mir, du gerissener Spitzbube, bei der Kaiserin Ärger genug gemacht hast, warne ich dich: Pass auf, dass dich keines erschlägt; die Pferde sind feurig.“
Martin Krpan aber zog das erste und das letzte und alle anderen über die Schwelle, sogar das eine, das der Kaiser selbst nur zweimal im Jahr ritt, nämlich zu Ostern und an Fronleichnam; das stieß dem Kaiser wohl ganz besonders sauer auf. Dann sagte Krpan: „Hier habt Ihr keines für meinen Sattel! Gehen wir zu den anderen.“ Der Kaiser antwortete mürrisch: „Wenn dir die nicht recht sind, musst du eben zu Fuß kämpfen. Mit dir kann man ja nicht vernünftig reden! Ich weiß, dass es in meinem ganzen Kaiserreich keines gibt, das du Dickkopf nicht herausziehen würdest!“
„Das ist doch leeres Gerede!“, sagt Krpan. „Ich habe daheim eine kleine Stute, die keiner Eurer Helden herauszieht, darauf wette ich meinen Kopf; damit die Wiener mitsamt dem Brdavs nicht sagen, dass ich lüge.“ „Doch nicht etwa die“, fragt der Kaiser, „mit der du im Schnee getanzt hast?“ „Genau die, genau die!“, erwidert er. Der Kaiser aber wird böse und sagt: „Jetzt sehe ich schon, dass du ein Dummkopf bist oder mich zum Dummkopf machen willst! Nimm dich vor mir in Acht, Krpan! Mein Arm ist lang.“
Krpan aber antwortet ihm lachend: „Mag er auch noch so lang sein, er reicht dem Riesen doch nicht einmal bis zum Gürtel, geschweige denn bis zum Bart, um ihn ein bisschen zu rupfen und an den Haaren zu zausen. Aber lassen wir die Späße den Leuten, die nichts anderes zu tun haben, als damit ihre Mitmenschen zu ärgern; reden wir lieber von Brdavs, der seinen Kopf jetzt noch auf den Schultern trägt. Schickt schnell nach meiner Stute, oder soll ich sie selbst holen? Aber wer weiß, was dann ist? Wenn ich dann nicht mehr zurückkäme? Bei Gott ist alles möglich!“
Als der Kaiser das hört, schickt er schnell nach Vrh, um Krpans kleine Stute holen zu lassen. Als man sie nach Wien bringt, sagt Krpan: „Jetzt aber her mit euch, ihr Wiener Helden, so viele von euch noch übrig sind! Meine kleine Stute sieht zwar schwach aus, und doch zieht sie keiner auch nur bis zur Schwelle, geschweige denn darüber!“ Es versuchten es die Reiter und die Pferdeknechte und alle, die gelernt haben, wie man ein Pferd fest in die Hand nimmt, ob es wild ist oder zahm, doch keiner brachte die kleine Stute von der Stelle; jeden warf sie auf den Misthaufen. „Da soll doch der Blitz dreinschlagen!“, sagt einer nach dem anderen. „Kleiner Klepper, große Kraft!“





